Unsere Therapien im Einzelnen

Aufgrund des in der Einführung Gesagten bemühen wir uns, an der Schule immer möglichst mehrere der folgenden Therapieformen anzubieten:

Die rhythmische Massage nach Hauschka/Wegman

Die von den beiden Ärztinnen Margarethe Hauschka und Ita Wegman entwickelte Massage beruht auf der klassischen Heilmassage, arbeitet jedoch zusätzlich noch mit anderen Griffen und Techniken. Die saugenden und rhythmisch schwingenden, streichenden Bewegungen regen die Flüssigkeitsströme im Körper an, um so krankhaft verdichtete und verfestigte Strukturen zu lösen und ins Fließen zu bringen. Diese Therapieform macht körperlich und seelisch durchlässiger, aufmerksamer und wacher. Sie durchwärmt, vertieft die Atmung, bessert Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, Schmerzen, Verspannungen und viele weitere funktionelle Störungen. Auch wird der Körper anders wahrnehmbar: Es entsteht das Gefühl, versöhnt zu sein mit dem, was ist, eins sein zu können mit dem Leib, auch wenn er äußerlich nicht perfekt ist und sogar, wenn Behinderungen bestehen.

Öldispersionsbäder

Durch den von Werner Junge entwickelten Apparat wird das zum Bad zugegebene Öl so fein zerstäubt, dass es sich als feiner Film stabil um die Wassertröpfchen legt. Diese winzigen Wasser-Öl-Tröpfchen können durch die Haut sehr gut aufgenommen werden, wodurch die jeweils für den Patienten gewählten ätherischen Wirkstoffe in die Blutbahn gelangen. Der Patient wird in Wasser, Wärme und Öl eingehüllt. Diese Wärmehülle stärkt und reguliert auf sanfte Art den körpereigenen Wärmeorganismus und damit die Selbstheilungskräfte und das Immunsystem. Eine Bürstenmassage im Wasser und die anschließende Nachruhe unter wärmenden Decken verstärken die Hautdurchblutung und Leibwahrnehmung. Diese Therapieform ist eine wertvolle Hilfe für die Kinder, die unter einem schwachen Wärmeorganismus leiden, wie es u.a. häufig bei ehemaligen Frühgeborenen der Fall ist.

Die Heileurythmie

Die in den 1920er Jahren von Rudolf Steiner entwickelte Heileurythmie ist eine umfassende Therapieform der anthroposophischen Medizin, die bei akuten und chronischen Erkrankungen, bei kindlichen Entwicklungsstörungen, in der Psychosomatik oder der Psychiatrie sowie in der Prävention erfolgreich angewendet wird. Die Grundelemente der Heileurythmie sind die in Bewegung umgewandelten Laute der Sprache. Vokale und Konsonanten werden in Bewegungen einzelner Gliedmaßen oder des ganzen Körpers umgesetzt. Jeder Laut bzw. jede Bewegung steht in einer bestimmten Wirkungsbeziehung zu den Vorgängen unseres Organismus. So wie sich unsere innere Befindlichkeit in Mimik und Gestik nach außen hin darstellt, wirkt umgekehrt die Heileurythmie von außen nach innen. Bei der therapeutischen Ausübung kommt es auf ein intensives, immer wiederholendes Üben weniger, aber gezielt eingesetzter Lautgebärden an. Es können harmonisierende, anregende, konzentrationsfördernde oder beruhigende Übungen gemacht werden. Verkümmert oder übermäßig wirkende Kräfte können ausgeglichen werden.

Die Chirophonetik

Sie ist eine von dem Logopäden und Heilpädagogen Dr. Alfred Baur entwickelte Therapieform in der anthroposophischen Medizin, die ursprünglich als Sprachbehandlung entwickelt wurde. Sie hat sich aber sehr bald u.a. auch als äußerst wirksam bei entwicklungsgestörten, -verzögerten und unruhigen Kindern erwiesen.

Jeder gesprochene Laut hat eine charakteristische Luftströmungsform, welche bei der Artikulation entsteht, und zwar durch die plastizierende Tätigkeit der Sprachorgane. Diese Luftströmungsformen werden bei der chirophonetischen Sprachheilbehandlung in exakten Massagestrichen auf das Sinnesorgan Haut gestrichen. Während der Patient äußerlich passiv auf der Behandlungsliege liegt, intoniert der Therapeut die entsprechenden Laute zu den jeweiligen Massagestrichen an Rücken, Armen und/oder Beinen.

Die Heilwirkung der Laute wird durch das gleichzeitige Hören und Spüren der Lautform auf der Haut verstärkt. Dadurch wird der Patient innerlich zur Nachahmung – also zur inneren Aktivität – angeregt, was besonders bei Krankheitsbildern erwünscht ist, bei denen man mit Reden oder Anleiten meist nichts erreicht, zum Beispiel bei Autismus, verzögertem Spracherwerb, Stottern, Hyperaktivität, Bettnässen, Anfallsleiden usw.

Die künstlerischen Therapien

Zu ihnen gehören

Der geleitete Umgang mit künstlerischen Mitteln und Prozessen aus den oben genannten Bereichen ermöglicht den Schülern einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen und verbessern ihre Selbstwahrnehmung. Das Identitätserleben mit dem eigenen Werk und Wesen stärkt das Selbstvertrauen und den Selbstausdruck und lässt neue Begegnungsfähigkeit entstehen. Durch den Umgang mit Formen, Farben, Tönen, Melodien, Rhythmen oder Sprache werden über das seelische Erleben die funktionellen Abläufe des Organismus beeinflusst. So können die künstlerischen Therapien Schülern, die einerseits zu verfestigt, innerlich verkrampft und ängstlich oder andererseits zu stark gelockert, haltlos und unruhig sind, helfen, ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden.

Die Reittherapie

Sie richtet sich an Menschen mit Entwicklungsbedarf im motorischen, emotionalen, kognitiven oder sozialen Bereich. Der Einsatz des Pferdes als Medium mit hohem Motivationscharakter bietet vielfältige Fördermöglichkeiten. Das Pferd dient dabei als: Medium zur Anbahnung von Kontakt und Kommunikation; spielerisches Gegenüber bei der Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung (Senso- und Psychomotorik); tragender Partner, der seinen Körper und seine Sinne zur Verfügung stellt (basale Stimulation, Nähe); verlässlichen und wertfreien Spiegel (Eigenwahrnehmung, Selbstwert); Empfänger von Fürsorge und kompetentem Umgang (Soziales Lernen, kognitives Training); Katalysator für die Auseinandersetzung mit Neuem und die Erweiterung der eigenen Grenzen.

Die Rotatherapie

Diese neurophysiologische Übungsbehandlung zielt in sehr sanfter Weise auf eine Harmonisierung des Muskeltonus des Organismus und damit auf die Nachreifung der motorischen Fähigkeiten. Diese sind ein sehr wichtiges Fundament für die gesamte weitere Entwicklung des Kindes. Je stabiler die Basis ist, desto besser können sich die anderen Entwicklungsbereiche wie Wahrnehmung, Sprache und Denken entfalten.

„Rota“ leitet sich von dem Begriff Rotation her und beschreibt das wesentliche Element der Übungen, in denen es um die Drehung des eigenen Körpers im Raum und um die Verdrehung der Wirbelsäule um ihre Längsachse geht. Die Übungen werden nach Anleitung durch den Therapeuten von den Eltern (zu Hause) oder gegebenenfalls von dem Klassenhelfer mit dem Schüler durchgeführt.